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Dies ist ein Pitch. Kein Whitepaper, kein Tutorial, kein fertiges Produkt. aiOS existiert als Architektur, als Vision und als konkreter Plan fuer ein Software-Engineering-Projekt an der Ruhr-Universitaet Bochum. Was folgt, ist die Argumentation, warum es gebaut werden sollte — und wie.

Das Problem in 30 Sekunden

Herner Strasse 299, Bochum-Riemke. Zweiter Stock, Halle B29. Ein KFZ-Meister klemmt Messkabel an einen Golf 7, startet die Zuendung. Auf dem Laptop erscheint eine Sinuswelle — 10.000 Datenpunkte pro Sekunde. Irgendwo in dieser Kurve steckt die Information, dass die Steuerkette in 3.000 Kilometern reissen wird.

Der Meister sieht die Kurve. Die Erkenntnis sieht er nicht.

Das Problem

Zwischen dem Messsignal und seiner Bedeutung fehlt eine ganze Softwareschicht. USB-Oszilloskope werden jedes Jahr praeziser und guenstiger. Die Software dahinter zeigt Kurven, speichert Dateien — und hoert dort auf, wo die eigentliche Arbeit beginnt.

Status Quo

Signale werden manuell interpretiert. Jede Diagnose haengt von der Erfahrung des einzelnen Mechanikers ab. Wissen ist nicht skalierbar, nicht reproduzierbar, nicht uebertragbar.

aiOS-These

Ein Betriebssystem zwischen Hardware und Mensch. Automatische Geraeteerkennung, Echtzeit-Analyse, KI-gestuetzte Anomalieerkennung, Berichte in Kundensprache. Open Source, erweiterbar, containerisiert.

Die Betriebssystem-Metapher

USB-Stick in den Laptop stecken. Das System erkennt das Geraet, mountet es, laesst dich Dateien oeffnen. Kein Gedanke noetig — zwischen physischer Hardware und menschlicher Wahrnehmung liegt ein Abstraktionsstapel, der Komplexitaet in Verstaendlichkeit uebersetzt.

Ersetze USB-Stick durch Oszilloskop. Ersetze Dateien durch Zeitreihensignale. Die Abstraktionsschicht dazwischen? Existiert nicht. Kein System erkennt automatisch, was angeschlossen wurde. Keines analysiert den Datenstrom in Echtzeit. Keines formuliert Ergebnisse so, dass ein Werkstattkunde sie versteht.

Der Pitch

aiOS baut diese fehlende Schicht — nicht als einzelnes Feature, sondern als Plattform. Vier Schichten, dieselbe architektonische Logik wie ein Betriebssystem: Hardware-Abstraktion unten, Systemdienste in der Mitte, Anwendungen oben.

Vier Schichten, ein Prinzip

Die Architektur ist bewusst simpel. Jede Schicht hat eine klar definierte Aufgabe. Keine Schicht kennt die Details der Schicht darunter — nur deren Interface.

Timing: Warum jetzt und nicht vor fuenf Jahren

Drei Technologien mussten gleichzeitig reif werden. Keine einzelne ist revolutionaer. Zusammen ergeben sie eine Plattform, die 2020 unmoeglich gewesen waere.

24-Bit
Messaufloesung
<100ms
LLM-Latenz
0 €
Docker-Lizenz

USB-Oszilloskope mit 24-Bit-Aufloesung kosten einen Bruchteil stationaerer Geraete von vor einem Jahrzehnt. LLMs generieren verstaendliche Texte in unter 100 Millisekunden. Docker-Container laufen lizenzfrei auf jedem Laptop. Das Fenster ist offen — die Frage ist nur, wer hindurchgeht.

Der Plan: Ein Semester, fuenf Sprints

Umsetzung

aiOS soll als Software-Engineering-Projekt am SE Lab der Ruhr-Universitaet Bochum entstehen. Fuenf Studierende, fuenf Sprints, ein Semester. Betreut vom Lehrstuhl unter Prof. Dr. Thorsten Berger, begleitet von der AI-Gruppe als Industriepartner.

Das SE Lab erzwingt Disziplin: Requirements-Dokumente, Architektur-Reviews, Teststrategien, Sprint-Reviews mit echtem Kundenfeedback. Die Docs-Seite mit Tutorials ist kein Nice-to-have — sie ist Liefergegenstand.

Sprint 0
Foundation
Docker-Compose-Setup, CI/CD-Pipeline, MkDocs-Container. docker compose up startet alles — inkl. Docs.
Sprint 1-2
Data Layer + Hardware-Adapter
WebSocket-Streaming, OmnAIScope-Adapter, Zeitsynchronisation, PostgreSQL/Redis/MinIO-Setup. Erster Datenstrom von Geraet zu Browser.
Sprint 3
Core Services
Anomaly Detection (Z-Score + Isolation Forest), NL-Query-Engine, Session Manager. Die Plattform denkt zum ersten Mal mit.
Sprint 4
Plugins + Reports
Plugin-Registry, Sandbox-Isolation, fuenf Referenz-Plugins. Report Generator mit LLM-basierter Kundensprache und PDF-Export.
Sprint 5
Integration + Feldtest
End-to-End-Test in realer Werkstattumgebung. Erster Mechaniker startet eine Messung, das System antwortet mit einer Diagnose.

Tech Stack

Jede Entscheidung folgt einem Prinzip: bewaehrte Technologie, keine Vendor-Lock-ins, maximale Erweiterbarkeit.

Frontend

Angular 19 mit TypeScript. D3.js fuer Echtzeit-Signalvisualisierung. WebSocket-Client fuer Live-Streaming direkt im Browser.

Backend

FastAPI (Python 3.12+) mit Pydantic v2 fuer Schema-Validierung. Async WebSocket-Handler fuer tausende gleichzeitige Datenpunkte.

Daten

PostgreSQL 16 fuer strukturierte Persistenz. Redis 7 als Cache und PubSub-Broker. MinIO (S3-kompatibel) fuer Rohdaten-Blobs.

Infrastruktur

Docker Compose orchestriert alles. Jedes Plugin ein eigener Container. REST-API-Registrierung mit JSON-Schema I/O. Sandbox mit Timeout und Memory-Limit.

Die ehrliche Risiko-Matrix

Ein Pitch ohne Risiko-Analyse ist Werbung. aiOS hat drei bekannte Schwachstellen — und fuer jede einen Mitigationsplan.

Hardware-Abhaengigkeit

Mittel

aiOS ist nur so gut wie die Geraete, die Daten liefern. Mitigation: Adapter-Pattern entkoppelt die Plattform von einzelnen Herstellern. Aber die Adapter muessen geschrieben werden — das kostet Aufwand pro Geraetetyp.

KI-Halluzinationen

Hoch

Ein LLM mit falschem Befund ist schlimmer als kein LLM. Mitigation: Konfidenz-Scores auf jedem Report, Warnhinweise bei niedriger Sicherheit, menschliche Validierung als letzte Instanz. Kein Report ohne Review-Flag.

Community-Paradox

Mittel

Ein Marktplatz ohne Plugins ist nutzlos, Plugins ohne Nutzer entstehen nicht. Mitigation: Das Kernteam liefert fuenf bis zehn Referenz-Plugins die sofort Mehrwert schaffen — bevor externe Contributor uebernehmen.

Warum Open Source

Diagnose-Wissen gehoert nicht in Silos. Jede Werkstattkette, die proprietaere Software verkauft, monopolisiert Erfahrung, die auf Jahrzehnte geteilter Praxis basiert. aiOS dreht diese Logik um.

Open Source als Strategie

Die beste Analyse-Methode fuer ein bestimmtes Symptom kommt vielleicht von jemandem, der heute noch in einer Vorlesung sitzt. Open Source macht genau das moeglich: Wissen fliesst dahin, wo es gebraucht wird — nicht dorthin, wo jemand eine Lizenz verkauft.

Die Architektur, die Plugin-Spezifikation, die Docs — alles offen. Lizenz: MIT. Fork-freundlich. Contribution-Guidelines ab Sprint 0.