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Ein Content-Audit ist die systematische Überprüfung aller Inhalte auf deiner Website — mit dem Ziel, Klarheit zu schaffen: Was funktioniert, was nicht, und was musst du ändern? Es ist die Content-Version von Kleiderschrank ausmisten: Alles raus, ehrlich bewerten, nur zurücklegen was du wirklich brauchst.

Erlhofer empfiehlt regelmäßige Content-Audits als Teil jeder SEO-Strategie, weil veraltete oder doppelte Inhalte das Crawl-Budget verschwenden und die Gesamtqualität einer Website verwässern (vgl. Erlhofer, SEO, 11. Aufl., Kap. 8.13).

Merksatz: „Content-Audit-Regel: Wenn es in 12 Monaten keinen Klick hatte — löschen oder neuschreiben."

Warum du einen Content-Audit brauchst

Die meisten KMU-Blogs wachsen ungeplant. Ein Artikel hier, ein Blogpost dort, ein News-Beitrag von 2021 der nie aktualisiert wurde. Nach 2–3 Jahren hast du 50+ Seiten, aber keine Ahnung welche davon tatsächlich Traffic bringen — und welche Google verwirren.

Drei Probleme die ein Audit löst:

Thin Content: Seiten mit wenig Inhalt oder veraltetem Content die Google als minderwertig einstuft. Sie ziehen die Gesamtqualität deiner Website nach unten.

Keyword-Kannibalisierung: Zwei oder mehr Seiten die für dasselbe Keyword ranken — und sich gegenseitig die Rankings wegnehmen. (→ Duplicate Content)

Veraltete Informationen: Ein Artikel „SEO-Trends 2023" der noch online ist, signalisiert Google dass deine Website nicht gepflegt wird.

Wann ist ein Content-Audit fällig?

Die 4-Eimer-Methode

Jeder Artikel auf deiner Website gehört in einen von vier Eimern. Das Ziel: Am Ende des Audits hat jeder Artikel eine klare Zuordnung.

Eimer 1 — Stars (behalten + pflegen)

Artikel die Traffic bringen, gut ranken, und konvertieren. Deine besten Pferde im Stall.

Erkennungsmerkmale:

Maßnahme: Nicht anfassen. Höchstens alle 6 Monate auffrischen — Datum aktualisieren, neue Daten ergänzen, Links prüfen.

Eimer 2 — Potenzial (updaten)

Artikel die Ansätze zeigen aber nicht performen. Sie ranken auf Seite 2–3, bekommen etwas Traffic, sind aber nicht optimiert.

Erkennungsmerkmale:

Maßnahme: Updaten. Mehr Content, bessere Struktur, aktuelle Daten, stärkere Keywords, interne Verlinkung ergänzen. Das sind deine Quick Wins — mit überschaubarem Aufwand rankst du sie von Seite 2 auf Seite 1.

Eimer 3 — Kannibalen (zusammenlegen)

Artikel die dasselbe Thema behandeln und sich gegenseitig die Rankings klauen. Klassiker: „SEO-Tipps 2023" und „SEO-Tipps 2024" und „SEO-Tipps für Anfänger".

Erkennungsmerkmale:

Maßnahme: Einen Artikel zum Master machen (den besten), den Rest per 301-Redirect auf den Master umleiten. Die besten Absätze aus den gelöschten Artikeln in den Master integrieren. (→ Keyword-Clustering)

Eimer 4 — Ballast (löschen oder noindex)

Artikel die nichts bringen und nichts beitragen. Sie verschwenden Crawl-Budget und verwässern die Qualität deiner Website.

Erkennungsmerkmale:

Maßnahme: Löschen (301-Redirect auf die thematisch passendste Seite) oder auf noindex setzen. Keine Angst — wenn ein Artikel in 12 Monaten keinen einzigen Klick hatte, wird ihn niemand vermissen.

Der 60-Minuten-Ablauf

Minute 0–15: Daten exportieren

Schritt 1: Google Search Console → Leistung → Seiten → Letzte 12 Monate → CSV exportieren. Du bekommst: URL, Klicks, Impressions, CTR, Position.

Schritt 2: Google Analytics → Seiten und Bildschirme → Letzte 12 Monate → CSV exportieren. Du bekommst: Seitenaufrufe, Engagement-Rate, Conversions.

Schritt 3: Zusammenführen in einer Tabelle (Excel oder Google Sheets). Jede Zeile = eine URL. Spalten: URL, Klicks (GSC), Impressions (GSC), Position (GSC), Seitenaufrufe (GA), Engagement-Rate (GA).

Kein Analytics? Dann nur Search Console. Die Klick- und Impressions-Daten reichen für die Grundentscheidungen.

Minute 15–35: Sortieren

Sortiere die Tabelle nach Klicks (absteigend). Jetzt siehst du sofort: Oben stehen deine Stars, unten der Ballast.

Farb-System (4 Farben = 4 Eimer):

Für Kannibalen-Check: Sortiere nach der Spalte „Queries" in der Search Console. Wenn zwei URLs für dasselbe Keyword Impressions haben → orange markieren.

Minute 35–50: Entscheidungen treffen

Geh die Tabelle durch und trage für jeden Artikel die Entscheidung ein:

| Eimer | Entscheidung | Aktion |

|-------|-------------|--------|

| Star | Behalten | Alle 6 Monate auffrischen |

| Potenzial | Updaten | In den Redaktionsplan aufnehmen |

| Kannibal | Zusammenlegen | Master-Artikel bestimmen, Rest redirecten |

| Ballast | Löschen | 301-Redirect auf passende Seite |

Faustregel für schnelle Entscheidungen:

Minute 50–60: Maßnahmenplan erstellen

Erstelle eine Prioritätenliste:

1. Sofort (diese Woche): Ballast löschen / noindex setzen. Dauert 30 Minuten, sofortige Wirkung.

2. Kurzfristig (nächste 2 Wochen): Kannibalen zusammenlegen. Pro Merge: 1–2 Stunden.

3. Mittelfristig (nächstes Quartal): Potenzial-Artikel updaten. In den Redaktionsplan einplanen. (→ Redaktionsplan erstellen)

4. Laufend: Stars pflegen. Datum aktualisieren, neue Daten ergänzen.

Entscheidungsmatrix — Die schnelle Referenz

Wenn du bei einem Artikel unsicher bist, nutze diese Matrix:

| Frage | Ja → | Nein → |

|-------|------|--------|

| Hat der Artikel Traffic (>5 Klicks/Monat)? | Star oder Potenzial | Weiter prüfen |

| Rankt er für ein relevantes Keyword? | Potenzial (updaten) | Weiter prüfen |

| Hat er Backlinks? | Nie löschen (updaten oder redirecten) | Weiter prüfen |

| Gibt es einen anderen Artikel zum gleichen Thema? | Kannibal (zusammenlegen) | Weiter prüfen |

| Ist das Thema noch relevant? | Updaten | Löschen |

Die goldene Regel: Im Zweifel updaten statt löschen. Einen bestehenden Artikel mit etwas History aufzufrischen ist fast immer einfacher als einen neuen von Null aufzubauen.

Nach dem Audit — Was du mit den Ergebnissen machst

Der Audit ist wertlos wenn die Ergebnisse in einer Tabelle versauern. Hier ist was als nächstes passiert:

Woche 1: Ballast entfernen. Das ist der einfachste und wirkungsvollste Schritt. Weniger schlechte Seiten = bessere Gesamtqualität = Google crawlt deine guten Seiten häufiger.

Woche 2–3: Kannibalen mergen. Nimm dir pro Tag einen Merge vor. Master-Artikel erstellen, beste Absätze der anderen integrieren, 301-Redirects einrichten.

Monat 2–3: Potenzial-Artikel updaten. Nutze die Erkenntnisse aus dem Audit für deinen Redaktionsplan. Update-Artikel haben den Vorteil dass sie bereits indexiert sind — sie ranken oft schneller als neue Artikel.

Ab dann: Content-Audit alle 6 Monate wiederholen. Beim zweiten Mal dauert es nur noch 30 Minuten, weil du die Struktur schon hast.

Häufige Fragen

FAQ

Das hängt von der Qualität deines Contents ab. Als Richtwert: 10–30% der Artikel sind bei den meisten KMU-Blogs Ballast. Wenn du 50 Artikel hast, werden wahrscheinlich 5–15 gelöscht oder zusammengelegt. Das ist normal und kein Zeichen von Versagen.
Nur wenn der Artikel Traffic hatte — und dann solltest du ihn nicht löschen, sondern updaten. Artikel mit 0 Klicks in 12 Monaten haben per Definition keine Rankings die du verlieren könntest. Wichtig: Immer per 301-Redirect auf eine thematisch passende Seite umleiten.
Ja. Die Google Search Console allein reicht für 80% der Entscheidungen. Klicks, Impressions und Position sind die wichtigsten Datenpunkte. Analytics ergänzt mit Engagement-Rate und Conversions, ist aber nicht zwingend nötig.
Alle 6–12 Monate. Wenn du aktiv Content produzierst (4+ Artikel/Monat), eher alle 6 Monate. Wenn du selten publizierst, reicht einmal im Jahr.
Saisonale Artikel (z.B. „Weihnachtsgeschenke") haben naturgemäß Monate ohne Traffic. Beurteile sie nach dem Traffic während ihrer Saison, nicht nach dem Jahresdurchschnitt. Ein Weihnachtsartikel mit 500 Klicks im November ist ein Star — auch wenn er im März 0 hat.

Quellen & Vertiefung

  • Erlhofer, S. (2024): Suchmaschinen-Optimierung, 11. Auflage, Rheinwerk Verlag. Kap. 8.13 (Content-Audit & Content-Inventur)
  • Google Search Central (2026): Search Console Performance Report Documentation