Deine Website sieht gut aus. Das Design stimmt, die Texte sind geschrieben, vielleicht läuft sogar ein bisschen Traffic rein. Und trotzdem passiert nichts. Keine Anfragen. Keine Rankings auf Seite eins. Kein Wachstum seit Monaten. Das Problem liegt selten am Content. Es liegt an dem, was du nicht siehst — an technischen Bremsen, fehlenden Meta-Tags, kaputten Links und Seiten, die Google schlicht ignoriert.
Ein SEO Audit deckt genau das auf. Nicht in Wochen, nicht mit teuren Tools. In 15 Minuten, mit kostenlosen Werkzeugen, die Google selbst bereitstellt. Dieser Artikel zeigt dir sechs Schritte, die du heute durchgehen kannst — und am Ende weißt du, wo deine Website steht und was sie bremst.
Was ein SEO Audit wirklich ist
Kein Hexenwerk. Ein SEO Audit ist eine systematische Prüfung deiner Website auf technische Fehler, inhaltliche Schwächen und verpasste Chancen. Stell dir das wie eine Inspektion vor: Du prüfst Motor, Bremsen und Reifen — nicht weil das Auto kaputt ist, sondern weil du wissen willst, ob es optimal läuft.
Die meisten KMU-Websites haben drei bis fünf gravierende SEO-Probleme, die sie nie bemerken. Fehlende Meta-Descriptions, doppelte Title-Tags, Seiten die nicht indexiert werden, Bilder ohne Alt-Texte. Jedes einzelne dieser Probleme kostet Sichtbarkeit. Zusammen kosten sie Rankings.
Kernerkenntnis
Ein SEO Audit ist kein einmaliges Projekt. Alle drei bis sechs Monate solltest du den Check wiederholen — Google ändert seinen Algorithmus, deine Konkurrenz schläft nicht, und technische Schulden häufen sich leise an.
Was du brauchst: Drei kostenlose Tools
Vergiss teure SEO-Suiten. Für einen soliden Basis-Audit reichen drei Werkzeuge, die keinen Cent kosten.
Google Search Console — dein direkter Draht zu Googles Sicht auf deine Website. Hier siehst du welche Seiten indexiert sind, welche Keywords Impressionen bringen und wo technische Probleme liegen. Wenn du nur ein Tool nutzt, dann dieses.
Google PageSpeed Insights — misst die Ladegeschwindigkeit und die Core Web Vitals. Mobile-Werte zählen mehr als Desktop, weil Google Mobile-First indexiert.
Screaming Frog SEO Spider — die kostenlose Version crawlt bis zu 500 URLs und findet kaputte Links, fehlende Meta-Tags und doppelte Inhalte. Für die meisten KMU-Websites reicht das völlig.
Schritt 1: Indexierung prüfen
Öffne die Google Search Console. Klick auf "Seiten" im linken Menü. Hier siehst du zwei Zahlen: indexierte Seiten und nicht indexierte Seiten. Das Verhältnis sagt dir sofort, ob ein Problem vorliegt.
Wenn mehr als 30 Prozent deiner Seiten nicht indexiert sind, stimmt etwas nicht. Häufige Ursachen: eine fehlerhafte robots.txt die Google aussperrt, noindex-Tags die versehentlich gesetzt wurden, oder Seiten die Google als Duplikat einstuft.
Prüfe auch den Abschnitt "Gründe für Ausschluss". Dort listet Google jeden einzelnen Grund auf, warum eine Seite nicht im Index landet. Die drei häufigsten bei KMU-Websites: "Durch noindex-Tag ausgeschlossen", "Duplikat ohne von Nutzer ausgewählte kanonische URL" und "Gecrawlt, derzeit nicht indexiert".
Schritt 1
Search Console → Seiten → Verhältnis indexiert/nicht-indexiert prüfen
Ziel: Mindestens 70% der wichtigen Seiten indexiert
Schritt 2: Core Web Vitals messen
Gib deine wichtigsten Seiten in PageSpeed Insights ein. Starte mit der Startseite, dann die Seite die am meisten Traffic bringt, dann deine wichtigste Leistungsseite. Drei Seiten reichen für den Anfang.
Drei Werte zählen. LCP — Largest Contentful Paint — misst wie schnell das grösste sichtbare Element lädt. Unter 2,5 Sekunden ist gut. INP — Interaction to Next Paint — misst die Reaktionsgeschwindigkeit. Unter 200 Millisekunden ist das Ziel. CLS — Cumulative Layout Shift — misst ob sich Elemente beim Laden verschieben. Unter 0,1 ist gut.
Mobile ist wichtiger als Desktop. Google indexiert deine mobile Version zürst. Wenn der Mobile-Score unter 50 liegt, hast du ein Performance-Problem das Rankings kostet.
Schritt 2
PageSpeed Insights → 3 wichtigste Seiten testen → Mobile-Werte notieren
Ziel: LCP unter 2,5s, INP unter 200ms, CLS unter 0,1
Schritt 3: Meta-Tags und Überschriften prüfen
Jede Seite deiner Website braucht einen einzigartigen Title-Tag und eine einzigartige Meta-Description. Klingt banal. Ist trotzdem der häufigste Fehler den wir bei KMU-Websites sehen.
Der Title-Tag sollte unter 60 Zeichen lang sein, das Fokus-Keyword enthalten und einen Grund liefern zu klicken. Die Meta-Description hat maximal 160 Zeichen, enthält ebenfalls das Keyword und endet idealerweise mit einem Call-to-Action.
Die H1-Überschrift muss pro Seite genau einmal vorkommen. Nicht null Mal, nicht drei Mal. Einmal. Sie sollte das Hauptkeyword der Seite enthalten. Screaming Frog zeigt dir in Sekunden welche Seiten keine H1 haben, welche mehrere haben und welche identische Titles nutzen.
Ein Detail das viele übersehen: Bilder ohne Alt-Texte. Jedes Bild braucht eine kurze Beschreibung. Das ist Barrierefreiheit und SEO gleichzeitig. Screaming Frog listet alle Bilder ohne Alt-Attribut in einer eigenen Ansicht.
Schritt 3
Screaming Frog → Crawl starten → Titles, Descriptions, H1, Alt-Texte prüfen
Ziel: Jede Seite hat einzigartigen Title, Description, eine H1, alle Bilder haben Alt-Text
Schritt 4: Interne Verlinkung analysieren
Interne Links sind das Navigationssystem das Google durch deine Website führt. Ohne sie findet der Crawler nur das, was direkt von der Startseite erreichbar ist. Alles andere versauert in der digitalen Dunkelheit.
Prüfe in der Search Console unter "Links" die interne Verlinkung. Welche Seiten bekommen die meisten internen Links? Welche bekommen gar keine? Seiten ohne einen einzigen internen Link nennt man "Waisen" — Google findet sie schwer und rankt sie noch schwerer.
Die Faustregel: Jede wichtige Seite sollte von mindestens drei anderen Seiten intern verlinkt sein. Deine Geld-Seiten — also die Seiten die Kunden bringen sollen — verdienen die meisten internen Links. Nicht das Impressum.
Kernerkenntnis
Interne Links sind der einzige Ranking-Faktor den du zu 100 Prozent selbst kontrollierst. Kein Algorithmus-Update kann dir nehmen, was du intern gut verlinkt hast.
Schritt 4
Search Console → Links → Interne Links prüfen → Waisen identifizieren
Ziel: Jede wichtige Seite hat mindestens 3 interne Links
Schritt 5: Quick-Win-Keywords finden
Zurück in die Search Console, diesmal unter "Leistung". Sortiere nach Position und filtere auf Keywords zwischen Position 4 und 20. Das sind deine Quick Wins — Suchbegriffe bei denen du fast auf Seite eins bist, aber noch nicht ganz.
Ein Keyword auf Position 8 braucht oft nur kleine Verbesserungen um auf Position 3 oder 4 zu klettern. Der Unterschied in Klicks ist enorm: Position 1 bekommt im Schnitt 27 Prozent aller Klicks. Position 8 bekommt knapp 3 Prozent. Ein Sprung von 8 auf 4 kann den Traffic einer einzelnen Seite verdoppeln.
Schau dir die Seiten hinter diesen Keywords an. Ist der Content vollständig? Beantwortet er die Suchintention? Hat die Seite genug interne Links? Oft reichen gezielte Verbesserungen an einer Handvoll Seiten, um den gesamten organischen Traffic spürbar zu steigern.
Schritt 5
Search Console → Leistung → Position 4-20 filtern → Seiten identifizieren
Ziel: 3-5 Quick-Win-Keywords finden und priorisieren
Schritt 6: Ergebnisse priorisieren
Nach fünf Schritten hast du vermutlich eine längere Liste. Das ist normal. Der Fehler wäre jetzt alles gleichzeitig anzugehen. Stattdessen: priorisieren.
Die Reihenfolge ist immer dieselbe. Technische Fehler zürst — alles was die Indexierung verhindert, hat höchste Priorität. Kaputte Links, fehlerhafte Weiterleitungen, blockierte Seiten. Dann Core Web Vitals, falls kritisch. Dann Meta-Tags und Content-Optimierung. Zuletzt interne Verlinkung und Quick-Win-Keywords.
Typische SEO-Audit-Ergebnisse nach Aufwand und Wirkung
Die Logik dahinter: Technische Probleme blockieren alles andere. Es nützt nichts den besten Content zu schreiben, wenn Google die Seite nicht indexieren kann. Erst das Fundament, dann die Fassade.
Kernerkenntnis
Ein SEO Audit ist kein Selbstzweck. Das Ziel ist nicht die perfekte Website, sondern die drei bis fünf Maßnahmen die den grössten Unterschied machen. Fokus schlägt Perfektion.
Wann ein Profi-Audit sinnvoll ist
Dieser 15-Minuten-Check deckt die offensichtlichsten Probleme auf. Für die meisten kleinen Websites reicht das als Startpunkt. Aber es gibt Situationen in denen professionelle Hilfe den Unterschied macht.
Bei einem Website-Relaunch oder Domain-Umzug sollte jemand mit Erfahrung die Weiterleitungen prüfen. Bei Online-Shops mit Hunderten Produktseiten wird ein manueller Audit schnell unübersichtlich — hier braucht es systematische Crawls und strukturierte Daten-Analyse. Und wenn Rankings trotz guter Inhalte fallen, kann das an Algorithmus-Updates liegen die ein tieferes technisches Verständnis erfordern.
Die typischen Kosten für ein professionelles SEO-Audit liegen im DACH-Raum zwischen 1.500 und 5.000 Euro — abhängig von der Website-Grösse und der Tiefe der Analyse.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Sechs Schritte, 15 Minuten, drei kostenlose Tools. Du prüfst Indexierung, Ladezeit, Meta-Tags, interne Links, Quick-Win-Keywords und priorisierst die Ergebnisse. Das reicht um die grössten Bremsen zu finden und einen konkreten Maßnahmenplan zu erstellen.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Unser Guide zu Google SEO Grundlagen erklärt die Zusammenhänge hinter diesen Checks. Und für lokale Unternehmen zeigt der Local-SEO-Guide für Handwerker, wie du die regionale Sichtbarkeit gezielt aufbaust.