Bilder machen oft 50–70% des Datenvolumens einer Website aus. Trotzdem werden sie bei der SEO-Optimierung fast immer vergessen. Kein Alt-Tag, kein beschreibender Dateiname, keine Komprimierung, und dann wundert man sich warum die Seite langsam lädt und Core Web Vitals rot sind.
Erlhofer beschreibt Bildoptimierung als „einen der am häufigsten vernachlässigten Bereiche der Onpage-Optimierung" und widmet dem Thema ein eigenes Unterkapitel (vgl. Erlhofer, SEO, 11. Aufl., Kap. 10.3). Dabei ist es einer der schnellsten SEO-Wins: In 30 Minuten kannst du die Bilder deiner gesamten Website optimieren.
Merksatz: „Ein Bild ohne Alt-Tag ist für Google unsichtbar. Ein unkomprimiertes Bild macht deine Seite für Nutzer unerträglich."
Warum Bilder ein unterschätzter SEO-Faktor sind
Bilder beeinflussen SEO auf drei Ebenen gleichzeitig:
Ladezeit: Unkomprimierte Bilder sind der häufigste Grund für schlechte Core Web Vitals. Ein einziges 5-MB-Headerbild kann den LCP (Largest Contentful Paint) auf über 4 Sekunden treiben, weit über dem Google-Grenzwert von 2,5 Sekunden (→ Core Web Vitals erklärt).
Zusätzlicher Traffic: Google Bilder-Suche generiert laut Google rund 20% aller Suchanfragen. Wenn deine Bilder dort auftauchen, ist das kostenloser Traffic den du sonst nicht bekommen würdest.
Barrierefreiheit: Alt-Tags helfen nicht nur Google. Sie helfen blinden und sehbehinderten Nutzern die Screenreader verwenden. Barrierefreiheit ist ein indirekter Rankingfaktor und ab 2025 durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für viele Websites Pflicht.
Kernerkenntnis
Bilder sind der einzige SEO-Hebel, der gleichzeitig auf Ladezeit, Barrierefreiheit und einen eigenen Suchindex einzahlt. Wer sie ignoriert, verliert dreimal, wer sie pflegt, gewinnt dreimal mit derselben halben Stunde Arbeit.
Die 5 Schritte der Bildoptimierung
Schritt 1, Dateinamen die Keywords enthalten
Vorher: IMG_4823.jpg, DSC00142.png, screenshot-2026-04-06.webp
Nachher: keyword-recherche-workflow-beispiel.webp, core-web-vitals-grenzwerte-tabelle.webp, google-search-console-leistungsbericht.webp
Die Regeln:
- Beschreibend: Was zeigt das Bild?
- Keywords: Enthält das Haupt- oder Nebenkeyword der Seite
- Format: Kleinbuchstaben, Bindestriche statt Leerzeichen oder Unterstriche
- Sprache: Deutsch wenn die Seite deutsch ist (Google versteht den Kontext)
Warum es wichtig ist: Google nutzt den Dateinamen als einen von mehreren Signalen um den Bildinhalt zu verstehen. IMG_4823.jpg sagt nichts. onpage-optimierung-title-tag.webp sagt alles.
Schritt 2, Alt-Tags die beschreiben und optimieren
Das Alt-Attribut (kurz: Alt-Tag) beschreibt den Bildinhalt in Text. Es wird angezeigt wenn das Bild nicht laden kann, von Screenreadern vorgelesen, und von Google als primäres Signal für den Bildinhalt genutzt.
Vorher: alt="" (leer) oder alt="Bild" oder gar kein Alt-Tag
Nachher: alt="Vergleichstabelle Longtail vs Shorthead Keywords mit Suchvolumen und Conversion Rate"
Die Regeln für gute Alt-Tags:
- Beschreibe was auf dem Bild zu sehen ist (nicht was du dir wünschst)
- Baue das Keyword der Seite natürlich ein (kein Keyword-Stuffing)
- Halte es unter 125 Zeichen
- Dekorative Bilder (Trennlinien, Hintergründe) bekommen
alt=""(leer, aber vorhanden)
Beispiele:
| Bild | Schlechter Alt-Tag | Guter Alt-Tag |
|------|-------------------|---------------|
| Screenshot GSC | alt="screenshot" | alt="Google Search Console Leistungsbericht mit Klicks und Impressionen" |
| Produktfoto Stuhl | alt="Stuhl" | alt="Ergonomischer Bürostuhl Modell X in schwarz mit Armlehnen" |
| Team-Foto | alt="Team" | alt="Team von Physiotherapie Girndt in der Praxis Berlin-Mitte" |
| Dekoratives Icon | alt="icon" | alt="" (bewusst leer) |
Schritt 3, Komprimierung ohne sichtbaren Qualitätsverlust
Die meisten Bilder können um 60–80% komprimiert werden ohne dass der Unterschied mit bloßem Auge sichtbar ist.
Empfohlene Auflösungen:
- Blogbilder/Content: 1200px Breite (reicht für alle Bildschirme)
- Hero-Bilder/Header: 1920px Breite maximal
- Thumbnails/Vorschau: 400–600px Breite
- Höhe: proportional zur Breite
Komprimierungs-Tools (kostenlos):
- Squoosh (squoosh.app): Google-Tool, direkt im Browser
- TinyPNG (tinypng.com): PNG und JPG, Drag & Drop
- ShortPixel (WordPress-Plugin): Automatisch bei Upload
- ImageOptim (Mac): Desktop-App für Batch-Komprimierung
Ziel: Kein Bild auf deiner Website sollte größer als 200 KB sein. Hero-Bilder maximal 300 KB. Wenn du mit WebP arbeitest, erreichst du das fast immer.
Schritt 4, Das richtige Format wählen
| Format | Am besten für | Vorteile | Nachteile |
|--------|---------------|----------|-----------|
| WebP | Alles (Standard 2026) | 30% kleiner als JPG, Transparenz möglich | Sehr alte Browser (IE11) |
| AVIF | Fotos mit vielen Details | 50% kleiner als JPG | Encoding langsamer, Browser-Support wächst |
| JPG | Fotos (Legacy) | Universell unterstützt | Größer als WebP, keine Transparenz |
| PNG | Screenshots, Grafiken mit Text | Verlustfrei, Transparenz | Sehr groß bei Fotos |
| SVG | Logos, Icons, einfache Grafiken | Skalierbar, winzig klein | Nicht für Fotos geeignet |
Empfehlung 2026: WebP als Standard-Format für alle Fotos und Grafiken. SVG für Logos und Icons. AVIF als progressives Upgrade wenn dein CMS es unterstützt. JPG nur noch als Fallback.
WordPress-Tipp: Ab WordPress 6.1 werden Uploads automatisch als WebP serviert wenn der Browser es unterstützt. Prüfe ob diese Funktion bei dir aktiv ist.
Schritt 5, Lazy Loading und responsive Bilder
Lazy Loading bedeutet: Bilder werden erst geladen wenn der Nutzer zu ihnen scrollt, nicht alle gleichzeitig beim Seitenaufruf. Das beschleunigt den initialen Seitenaufbau massiv.
Umsetzung: Füge loading="lazy" zum -Tag hinzu. Moderne Browser unterstützen das nativ.
