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Backlinks bekommen die ganze Aufmerksamkeit. Jeder redet über Linkbuilding, Gastbeiträge, digitale PR. Aber der mächtigste Hebel für deine Rankings liegt direkt auf deiner eigenen Website — und kostet keinen Cent: die interne Verlinkung.

Erlhofer widmet der internen Verlinkung ein eigenes Unterkapitel und bezeichnet sie als „die am einfachsten zu kontrollierende Ranking-Maßnahme" (vgl. Erlhofer, SEO, 11. Aufl., Kap. 11.2). Kein Outreach, kein Budget, keine Abhängigkeit von Dritten. Du entscheidest welche Seiten Linkjuice bekommen — und welche nicht.

Merksatz: „Externe Links entscheiden ob du überhaupt rankst. Interne Links entscheiden welche deiner Seiten rankt."

Warum interne Verlinkung der unterschätzte SEO-Hebel ist

Interne Links erfüllen drei Funktionen gleichzeitig:

Crawl-Steuerung: Google folgt Links um neue und aktualisierte Seiten zu finden. Wenn eine Seite von keiner anderen Seite intern verlinkt wird, findet Google sie möglicherweise gar nicht — oder erst Wochen später. Das Crawl-Budget (→ Technisches SEO) wird verschwendet wenn Google Seiten crawlen muss die über 5+ Klicks erreichbar sind.

Linkjuice-Verteilung: Jede Seite die Backlinks von außen erhält, hat einen gewissen „Wert" in Googles Augen. Dieser Wert fließt über interne Links an verlinkte Seiten weiter. Eine starke Startseite mit vielen Backlinks gibt Linkjuice an alle Seiten weiter auf die sie verlinkt. So profitieren auch neue oder schwache Seiten von der Autorität deiner Domain.

Relevanz-Signale: Der Ankertext eines internen Links sagt Google worum es auf der Zielseite geht. Ein Link mit dem Ankertext „Keyword-Recherche Anleitung" auf deine Keyword-Recherche-Seite ist ein starkes Signal — stärker als „hier klicken" oder „mehr dazu".

Die Mathematik: Eine Website mit 50 Seiten und durchschnittlich 5 internen Links pro Seite hat 250 interne Links. Das sind 250 Signale die du kontrollierst — ohne einen einzigen Backlink aufbauen zu müssen.

Die 3 Modelle der internen Verlinkung

Es gibt nicht die eine richtige Struktur. Welches Modell passt, hängt von deiner Website-Größe und deinem Content ab. In der Praxis kombinierst du meistens Elemente aus allen drei.

Das Hub-and-Spoke-Modell (Pillar + Cluster)

Das Modell das wir bei while.chat selbst verwenden. Eine zentrale Hub-Seite (Pillar) verlinkt auf alle Cluster-Artikel — und jeder Cluster-Artikel verlinkt zurück auf den Hub.

Beispiel:

Vorteile: Klare thematische Zuordnung, Google versteht die Hierarchie, Linkjuice fließt zum Hub und von dort zu allen Spokes. Wenn der Hub Backlinks bekommt, profitieren alle Cluster-Artikel.

Am besten für: Blogs, Wissens-Hubs, Content-Marketing-Websites mit klar definierten Themenbereichen.

Die Silo-Struktur (Themen-Silos)

Strenger als Hub-and-Spoke. Jedes Themen-Silo ist in sich geschlossen — Seiten innerhalb eines Silos verlinken nur untereinander und auf die Silo-Startseite. Keine Querlinks zwischen Silos (oder nur sehr gezielt).

Beispiel E-Commerce:

Vorteile: Maximale thematische Kohärenz innerhalb jedes Silos. Google versteht sofort: „Diese Website hat tiefe Expertise in Laufschuhen."

Am besten für: E-Commerce-Shops mit klar getrennten Produktkategorien, Nischen-Websites.

Nachteil: Zu striktes Siloing kann die Nutzererfahrung verschlechtern. Wenn ein Nutzer auf deiner Laufschuh-Seite ist und sich auch für Wanderschuhe interessiert, sollte der Weg nicht unmöglich sein.

Flache Hierarchie mit kontextuellen Links

Kein starres Modell — jede Seite verlinkt kontextuell auf alle relevanten anderen Seiten, unabhängig von Kategorien. Die Verlinkung entsteht natürlich aus dem Content heraus.

Beispiel: Ein Blogartikel über „Core Web Vitals" verlinkt im Text auf:

Vorteile: Natürlichste Nutzererfahrung, flexibel, kein aufwändiges Struktur-Planning nötig.

Am besten für: Kleinere Websites (unter 30 Seiten), persönliche Blogs, Service-Websites.

Nachteil: Ohne Disziplin entstehen verwaiste Seiten (Seiten die keine internen Links erhalten) oder eine chaotische Struktur.

Breadcrumbs als strukturelle Verlinkung

Unabhängig vom Modell: Breadcrumbs sind ein Muss. Sie zeigen die Position in der Hierarchie und erzeugen automatisch interne Links zur übergeordneten Ebene.

Beispiel: Startseite > SEO Guide > Keyword-Recherche > Longtail-Keywords

Jede Stufe ist ein klickbarer Link. Google versteht die Hierarchie, Nutzer können einfach navigieren. Breadcrumbs sollten mit BreadcrumbList-Schema (JSON-LD) ausgezeichnet werden — das erzeugt Rich Snippets in den SERPs.

Footer- und Sidebar-Links — wie viel SEO-Wert?

Footer-Links: Google wertet Links im Footer weniger stark als kontextuelle Links im Fließtext. Trotzdem sinnvoll für wichtige Seiten (Impressum, Datenschutz, zentrale Kategorien). Nicht für Keyword-Stuffing missbrauchen — Google erkennt das.

Sidebar-Links: Ähnlich wie Footer — hilfreich für Navigation, aber weniger SEO-Wert als Inline-Links. „Ähnliche Artikel" oder „Meistgelesen" in der Sidebar sind ein guter Kompromiss.

Faustregel: Die wertvollsten internen Links sind die im Fließtext (kontextuelle Links), gefolgt von Navigations-Links, dann Sidebar, dann Footer.

Ankertexte für interne Links — die Regeln

Der Ankertext (der klickbare Text eines Links) ist das wichtigste Signal das du Google über die Zielseite gibst. Bei externen Links hast du wenig Kontrolle. Bei internen Links hast du volle Kontrolle.

Die Regeln:

1. Beschreibend statt generisch

2. Keyword im Ankertext — aber natürlich

3. Variiere die Ankertexte

Verlinke nicht immer mit dem exakt gleichen Ankertext auf dieselbe Seite. Nutze Variationen:

4. Keine Angst vor langen Ankertexten

Ein Ankertext darf ein halber Satz sein. „So optimierst du deine Meta-Beschreibungen für mehr Klicks" ist besser als „Meta-Beschreibungen".

5. Ein Link pro Zielseite pro Absatz

Wenn du zweimal im selben Absatz auf dieselbe Seite verlinkst, wertet Google nur den ersten Link. Verteile Links auf verschiedene Absätze.

Verwaiste Seiten finden und retten

Eine verwaiste Seite (Orphan Page) ist eine Seite die von keiner anderen Seite deiner Website intern verlinkt wird. Google findet sie nur über die Sitemap — oder gar nicht. Verwaiste Seiten ranken fast nie gut.

Wie du verwaiste Seiten findest:

Methode 1 — Google Search Console: Unter „Seiten" (Indexierung) siehst du indexierte Seiten. Vergleiche mit deiner Sitemap. Seiten die indexiert sind aber nicht in der internen Suche auftauchen, sind möglicherweise verwaist.

Methode 2 — Screaming Frog: Crawle deine Website (kostenlos bis 500 URLs). Sortiere nach „Inlinks" = 0. Das sind deine verwaisten Seiten.

Methode 3 — threefor.one: Der Website-Scanner zeigt verwaiste Seiten automatisch im Audit-Report an.

Wie du sie rettest:

1. Prüfe ob die Seite noch relevant ist. Wenn nein: löschen und 301-Redirect auf die beste Alternative.

2. Wenn ja: Finde 3-5 thematisch passende Seiten und setze dort kontextuelle Links auf die verwaiste Seite.

3. Prüfe ob die verwaiste Seite in der Navigation oder im Footer verlinkt sein sollte.

4. Aktualisiere die Sitemap.

Wie viele interne Links pro Seite?

Es gibt kein offizielles Limit von Google. Aber es gibt Orientierungswerte:

Empfehlung:

Die Regel: Jeder interne Link sollte für den Nutzer sinnvoll sein. Wenn du einen Link nur für SEO setzt den kein Nutzer je klicken würde, ist er wahrscheinlich überflüssig.

Erlhofers Faustregel: „Die Klick-Tiefe einer Seite sollte maximal 3 sein — jede Seite deiner Website sollte in maximal 3 Klicks von der Startseite erreichbar sein" (vgl. Erlhofer, Kap. 11.2). Das ist besonders für das Crawl-Budget wichtig.

Die Interne-Verlinkung-Checkliste

Struktur (4 Punkte):

Content-Links (4 Punkte):

Hygiene (4 Punkte):

Häufige Fragen

FAQ

Nein, Backlinks (externe Links) haben mehr Gewicht für Rankings. Aber interne Links sind der Hebel den du zu 100% kontrollierst. Eine perfekte interne Verlinkung kann schwache Backlinks teilweise kompensieren — und umgekehrt nutzen dir 1000 Backlinks wenig wenn deine interne Verlinkung so schlecht ist dass Google deine wichtigsten Seiten nicht findet.
Nein. Interne nofollow-Links waren in den 2000ern ein Trick um Linkjuice zu „steuern" (PageRank Sculpting). Google hat das 2009 abgeschafft. Verwende nofollow nur für externe Links zu Seiten denen du nicht vertrauen willst — niemals intern.
Mindestens vierteljährlich. Nach jeder größeren Content-Veröffentlichung (wie dieser Content-Offensive) lohnt sich ein Komplett-Check. Nutze den Content-Audit (→ Content-Audit) als Anlass die interne Verlinkung mitzuprüfen.
Beides hat seinen Platz. Kontextuelle Links im Fließtext sind für Google wertvoller weil sie thematisch eingebettet sind. „Ähnliche Artikel"-Boxen sind gut für die Nutzererfahrung und sorgen für Klicks die sonst nicht passieren würden. Am besten: beides kombinieren.
Theoretisch gibt es kein Limit. Praktisch verliert jeder einzelne Link an Wert je mehr Links eine Seite hat (der Linkjuice wird auf alle Links aufgeteilt). Eine Seite mit 100 internen Links gibt jedem Link nur 1% des Wertes weiter. Halte dich an die Richtwerte oben.

Quellen & Vertiefung

  • Erlhofer, S. (2024): Suchmaschinen-Optimierung, 11. Auflage, Rheinwerk Verlag. Kap. 11.2 (Interne Verlinkung)
  • Google Search Central: Link Best Practices (developers.google.com/search/docs/crawling-indexing/links-crawlable)
  • Moz: Internal Linking for SEO (moz.com/learn/seo/internal-link)