life · PsychologieJuni 20264 Min. LesezeitMax Götte

Context Engineering erklärt

Context Engineering erklärt

Anfang 2023 war Prompt Engineering der heißeste Skill auf LinkedIn. Jeder dritte Post erklärte, wie man mit dem richtigen Satz magische Ergebnisse aus ChatGPT holt. „Act as a senior marketing strategist with 20 years of experience“ – als ob Rollenspielbefehle die Qualität eines LLMs ändern würden.

Shopify-CEO Tobi Lütke hat im Frühjahr 2025 den Begriff geprägt, der Prompt Engineering still beerdigt hat: Context Engineering. Die Idee: Der einzelne Prompt ist nahezu irrelevant. Was zählt, ist das System drumherum – die Dateien, Regeln, Beispiele und Wissensfragmente, die ein Sprachmodell braucht, bevor es eine einzige Zeile generiert.

Code Snippets auf GitHub sind Context Engineering in Reinform. Statt dem Modell zu erklären, wie es coden soll, gibst du ihm Beispiele deines Codes. Statt „schreib gutes CSS“ zeigst du ihm die letzten 20 Dateien, die du gut fandest. Das Modell erkennt Patterns – nicht weil du es gebeten hast, sondern weil der Kontext die Richtung vorgibt.

CLAUDE.md ist das mächtigste Produktivitätswerkzeug, das die meisten ignorieren. Eine Markdown-Datei im Root-Verzeichnis deines Projekts, die Claude bei jedem Start liest. Darin stehen Regeln, Präferenzen, Architekturentscheidungen, Code-Konventionen. Kein Prompt. Kein magischer Satz. Nur Kontext, dauerhaft verfügbar.

Der Unterschied ist fundamental: Prompt Engineering optimiert einen einzelnen Turn. Context Engineering optimiert das gesamte System über alle Turns hinweg. Es ist der Unterschied zwischen einem guten Satz in einer Bewerbung und einem Lebenslauf, der für sich spricht.

Das Skills-Ökosystem, das du mit Claude bauen kannst, ist die konsequente Weiterführung. Jeder Skill ist ein Kontextpaket – Regeln, Templates, Beispiele, Checklisten – das situativ geladen wird. Nicht der Mensch formuliert perfekte Prompts. Das System liefert perfekten Kontext.

Einen eigenen Skill zu erstellen dauert unter einer Stunde. Einmal gebaut, spart er hunderte manuelle Prompts. Das ist die eigentliche Revolution: nicht die bessere Frage, sondern die bessere Infrastruktur für Fragen, die nie gestellt werden müssen.

Der beste Prompt ist der, den du nicht brauchst – weil der Kontext bereits alles enthält.

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Code Snippets für Vibe CodersContext Engineering auf GitHub – geprägt von Shopify-CEO Tobi Lütke. Warum Beispiele mehr wert sind als Anweisun... Memories, CLAUDE.md und ProduktivitätDer langfristige Produktivitäts-Hack: Wie du Claude dauerhaft kontextbewusst machst – ohne jeden Chat neu zu starte... Dein Wissen ist ein RohstoffWie du mit Claude Skills ein Ökosystem baust, das für dich schreibt, denkt und automatisiert...// micro-journal

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Max Götte

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FAQ

Was ist Context Engineering?

Context Engineering ist der systematische Aufbau von Hintergrund, Regeln, Beispielen und Tools, die ein KI-Modell vor jeder Anfrage bekommt. Statt einzelne Prompts immer neu zu formulieren, baust du einen Kontext-Stack – etwa eine CLAUDE.md im Projekt, ein Skill mit klaren Anweisungen, dazu MCP-Server für Tool-Zugriff. Das Modell wird dadurch systematisch besser, nicht zufällig.

Ist Prompt Engineering wirklich tot?

Tot ist zu hart, aber sekundär geworden. Ein gut formulierter Prompt verbessert Output um Prozent. Ein gut gebauter Kontext verbessert ihn um Faktoren. Die Diskussion verschiebt sich von Satz-Akrobatik zu Architektur. Wer noch „magische Sätze“ sucht, ist drei Jahre zurück.

Was ist eine CLAUDE.md und warum ist sie wertvoll?

Eine CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei im Projekt-Root, die Claude bei jeder Session lädt. Sie enthält Projektkontext, Konventionen, Tooling-Hinweise, Verbote. Statt jeder Session neu erklären zu müssen, was das Projekt ist, hat Claude den Kontext sofort. Eine gut gepflegte CLAUDE.md ersetzt hunderte einzelne Prompts.

Wie unterscheiden sich Skills von Prompts?

Ein Prompt ist Einmal-Input – du tippst eine Frage, bekommst eine Antwort, vergisst sie. Ein Skill ist persistente Anweisung – du definierst einmal, wie ein Workflow ablaufen soll, und triggerst ihn bei Bedarf mit einem kurzen Keyword. Skills versionieren, Prompts nicht. Skills skalieren, Prompts nicht.

Wo fange ich an, wenn ich von Prompts auf Kontext umsteigen will?

Schritt 1: eine CLAUDE.md für dein Hauptprojekt anlegen – drei Absätze über Ziel, Stack, Konventionen reichen. Schritt 2: einen wiederkehrenden Workflow als Skill formulieren. Schritt 3: einen MCP-Server für ein externes Tool anbinden, das du oft brauchst. Innerhalb einer Woche merkst du, wie sich die Arbeit verändert.